Neuordnung des hausärztlichen Notdienstes

Wochenendbereitschaftsdienste, die länger als 60 Stunden dauern. Schwierigkeiten in der Nachbesetzung von Landarztstellen. Unvereinbarkeit von Beruf und Familie. Drohender Ärztemangel.

Schlagzeilen, die nicht nur in den Medien transportiert aus anderen Bundesländern zu uns kommen, sondern schon bald auch bei uns traurige Realität werden können.

Viele unserer geschätzten Kollegen verlassen in den nächsten Jahren ihre Ordinationen, um hoffentlich gesund den verdienten Ruhestand und einen neuen Lebensabschnitt genießen zu dürfen.

Die Frage und vor allem die Suche nach geeigneten Nachfolgern gestalten sich zunehmend als ein äußerst schwieriges Unterfangen.

Immer mehr Landarztpraxen verwaisen, da sich kein Nachfolger findet – ein Ende ist nicht in Sicht. Die Politik stellt sich die Frage nach dem WARUM und versucht das Rad neu zu erfinden. Schuld sind auch hier das veraltete Honorierungssystem, der hohe Bürokratieaufwand und die vielen „familienfeindlichen“ Nacht- und Wochenenddienste.

Weniger Landärzte bedeutet, dass sich die Anzahl der Nachtdienste für die verbliebenen Kollegen weiter steigert. Im Wissen, dass auf einen Nachtdienst kein freier Tag, sondern ein normaler Ordinationstag mit vielen Patientenkontakten folgt, sind das für uns Ärzte keine rosigen Aussichten.

Die Frage nach dem WAS DAGEGEN TUN stellen sich die niedergelassenen Ärzte in unserer Region. Im Speziellen haben sich die Kollegen der Sprengel Kirchdorf/Micheldorf/Inzersdorf/Schlierbach und Pettenbach/Wartberg/Nußbach/Ried i. Traunkreis für eine Zusammenlegung des hausärztlichen Notdienstes entschlossen. Der Gedanke an eine Regelung, die den ganzen Bezirk (Anmerkung: knapp 55.000 Patienten) miteinschließt, wurde aufgrund der geographischen Situation verworfen.

Die Last der Bereitschaftsdienste an Wochen-, Sonn- und Feiertagen verteilt sich somit auf mehrere Schultern. Die Entlastung wird sofort spürbar, eine zumindest annehmbare Work-Life-Balance ist möglich.

Um eine nachhaltige Versorgung der Patienten nach Ordinationsschluss und an Wochenenden und Feiertagen zu gewährleisten haben wir uns für die Einführung eines dualen Systems entschieden. In jedem der beiden Sprengel wird neben den bekannten Nachmittagsordinationen jeweils ein Kollege von 13.00 bis 19.00 Uhr für Notfälle erreichbar sein. Ab 19.00 Uhr bis 07.00 Uhr morgens des Folgetages übernimmt ein für den Nachtdienst vorgesehener Kollege beide Sprengel. Erreichbar ist der diensthabende Arzt unter der Telefonnummer 07582/141. Die bewährte und von uns allen geschätzte Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz bleibt somit gleich.

Für lebensbedrohliche Situationen ist weiterhin der Notarzt aus Kirchdorf zuständig.

Wichtig ist uns allen auch die Information an unsere Patienten, dass der für die Zeit von 13.00 bis 19.00 Uhr im jeweiligen Sprengel Notdienst leistende Arzt diesen Dienst unentgeltlich leistet und ein Notdienst auch in der Nacht bzw. an Wochenenden und Feiertagen für Notfälle jederzeit erreichbar ist.

Kleine banale Infekte, der chronische „schon seit Wochen bestehende“ Rückenschmerz oder das Abholen eines Rezeptes wurde zwar häufig praktiziert, sind aber keine „Notfälle“ und gehören zur regulären Ordinationszeit beim betreuenden Hausarzt besprochen und sind in der Regel bis zum Folgetag aufschiebbar.

Das neue Dienstsystem startet mit einem ersten Probequartal am 1. Juli 2014.

Dr. Elmar Mellinger

27.06.2014